Die 5 Phasen der Teamentwicklung

Gruppen und Gruppen- bzw. Projektarbeit werden in Unternehmen immer wichtiger. Im Zuge der steigenden Komplexität und Dynamik der Außenwelt ist der einzelne Mitarbeiter immer seltener in der Lage, die im Berufsalltag zu bewältigenden Aufgaben eigenständig zu bewältigen. Dies erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Experten und damit einhergehend ein gut funktionierendes Arbeitsteam.

Vor diesem Hintergrund kommt Führungskräften eine veränderte strategische Bedeutung zu. Im Forum Gute Führung heißt es dazu: „Die Zeit des Vordenkens und Anweisens ist vorbei. Die klassische Linienhierarchie wird zum Auslaufmodell erklärt. Die Führungskräfte prognostizieren selbst organisierende Netzwerke als Organisationsform der Zukunft.“ Dieser Paradigmenwechsel führt zu veränderten Anforderungen an die Rollen und Aufgaben von Führungskräften. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich daher mit den verschiedenen Phasen der Entwicklung einer Gruppe und den damit verbundenen Herausforderungen für Führungskräfte.

Entwicklungsmodelle von Gruppen im Vergleich

Gruppen entstehen vor dem Hintergrund vielfältiger Gegebenheiten, Sachverhalte und Rahmenbedingungen . Dabei unterliegt jede Gruppenbildung unterschiedlichen Phasen. Die wissenschaftliche Literatur beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Prozess der Teambildung. Der Psychologe und Organisationsberater Bruce Wayne Tuckman gliederte den Prozess der Gruppenbildung in vier sukzessive Phasen. Jede dieser Phasen wird wiederum in die interpersonelle (zwischenmenschliche) und aufgabenbezogene (sachbezogene) Ebene unterteilt.

Folgende Abbildung gibt die wesentlichen Spezifika der vier Phasen nach Tuckman wider:

Vier-Phasen-Modell nach Tuckman

Während sich die einzelnen Gruppenmitglieder im Forming näher kennenlernen und das Ziel des Zusammenkommens besprechen, folgt im Storming die Offenlegung individueller Interessen. Das damit verbundene Konfliktpotenzial bezüglich der gruppeninternen Rollen- und Statusverteilung sowie der weiteren Vorgehensweise kann zu Streitigkeiten innerhalb der Gruppe führen. Im Norming beginnen sich die Teilnehmer zu akzeptieren. Zusätzlich bilden sie nun gemeinsame Regeln und Normen heraus. Erst in der Performing-Phase geht die Gruppe zur geordneten Arbeitsweise über, um die Aufgabe zu bearbeiten.

Im Nachhinein fügte Tuckman eine fünfte Phase hinzu; die Adjourning-Phase bezieht sich auf den Trennungsabschnitt, in welchem sich die Gruppenmitglieder voneinander verabschieden und wieder eigene Wege gehen.

Tuckman hat mit seinem berühmten Modell die Komplexität der alltäglichen Gruppendynamik auf ein übersichtliches Schema reduziert. Gruppenleitern bzw. Führungskräften bietet es damit die Möglichkeit, den Status einer Gruppe besser einschätzen zu können.

In der Realität sind diese idealtypischen Phasen jedoch nicht so eindeutig voneinander zu unterscheiden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die jeweiligen gruppenbildenden Phasen einen eindeutig definierbaren Anfang und ein Ende haben oder ob sie hingegen vielmehr als überlappende Teilprozesse zu betrachten sind, welche unversehens in eine völlig andere Phase wechseln können. Zusätzlich erreichen einige Gruppen aufgrund fortlaufender Uneinigkeiten nie die produktive Performing-Phase, während andere Gruppen trotz ungelöster Konflikte effektive Ergebnisse erzielen.

Eine Reihe weiterer Modelle befasst sich mit den dynamischen interpersonellen Prozessen einer Gruppe. Der Diplom-Psychologe Eberhard Stahl wählt für sein beschreibendes Modell dieselben Bezeichnungen wie Tuckman. In Analogie zur Adjourning-Phase nach Tuckman und Jensen folgt eine fünfte Phase: das Re-Forming. Dieser Abschnitt umfasst die Abschlussphase, in welcher es zu einer Reflexion aller Gruppenmitglieder in Bezug auf die bisher erfolgte Zusammenarbeit kommt. Im Gegensatz zu Tuckman spricht Stahl von einem zirkulären Prozess. So folgt nach dem Re-Forming ggf. erneut das Storming, Norming und Performing. Die Forming-Phase tritt nur einmalig auf, sobald alle Gruppenmitglieder zum ersten Mal aufeinander treffen.

Der freiberufliche Moderator und Trainer Sebastian Grab erweitert das Tuckman-Modell um die Preforming-Phase. In seiner Abschlussarbeit der Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld befasst er sich intensiv mit den gruppendynamischen Phasen einer Teamentwicklung. Ihm zufolge reicht die klassische Gruppenarbeit nicht aus, um den Gruppenmitgliedern die Möglichkeit der individuellen Grenzerfahrung zu geben. Ziel ist es, die eigene Person anhand einer vertieften Selbstreflexion mit all ihren Stärken und Schwächen besser kennenzulernen. Dadurch ist der einzelne Teilnehmer in der Lage, seine zukünftige Rolle in der Gruppe klarer definieren zu können. Daher werden die klassischen Methoden der Moderation um verschiedene Formen von Outdoor-Trainings erweitert.

Phasen der Teamentwicklung

Im übernächsten Beitrag stelle ich die phasenspezifischen Aufgaben der Führungskraft im Zuge der gruppendynamischen Entwicklungsprozesse vor.

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