Moderation Plus nach Sebastian Grab

Ich habe bereits in meinem Blogartikel zum Thema Die 5 Phasen der Teamentwicklung berichtet, dass der freiberufliche Moderator und Trainer Sebastian Grab das Tuckman-Modell um die Preforming-Phase erweitert hat.

Sebastian Grab hat sich in seiner Diplomarbeit intensiv mit der Preforming-Phase im Gruppenprozess auseinander gesetzt. In Anknüpfung an die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn stehen hier das Individuum und die Gruppe im Vordergrund, während sich die Moderation auf das Thema und die Gruppe konzentriert.

Die Preforming-Phase – von Grab auch als Moderation Plus bezeichnet – dient der Gruppenführung als optionales Instrument, um den Teilnehmern eine über den klassischen Moderationsprozess hinausgehende soziale Orientierung zu ermöglichen

Sie wird zudem empfohlen, sobald die in den klassischen Arbeitsphasen der Gruppe (Forming, Storming, Norming, Performing, Re-Forming) zum Einsatz kommenden Interventionen an ihre Grenzen stoßen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn starke Konflikte auf zwischenmenschlicher Ebene vorliegen, welche sich nicht anhand der gängigen Moderationstechniken bearbeiten lassen. Eine teambuildende Outdoor-Maßnahme in der Natur kann in diesem Zusammenhang als Katalysator dienen, da der Einzelne gezwungen ist, aus seiner gewohnten Komfortzone herauszutreten. Eine Preforming-Phase bietet somit Anstöße zu individuellen Veränderungsprozessen, welche sich nicht im Rahmen der klassischen Gruppenarbeit realisieren lassen.

Demgegenüber besteht die Gefahr, dass die Preforming-Phase als „Wundermittel“ betrachtet wird, in welcher innerhalb kürzester Zeit die gewünschten Verhaltensanpassungen auf Seiten der Teilnehmer erzielt werden. So gilt es, eine Reihe an Voraussetzungen zu berücksichtigen, welche für einen wirksamen Verlauf notwendig sind.

Derzeit liegen nur wenige wissenschaftliche Arbeiten vor, welche sich mit der empirischen Wirksamkeit erlebnispädagogischer Maßnahmen zur Teamentwicklung in Unternehmen befassen. Auch die konkreten Rollen und Aufgaben der Gruppenführung bleiben an dieser Stelle offen.

Vor diesem Hintergrund habe ich ein Experteninterview mit Sebastian Grab durchgeführt.

1. Welche zentralen Aufgaben und Rollen hat der Gruppenleiter in der Moderation Plus Maßnahme zu erfüllen?

Sebastian Grab: „Als zentrale Aufgabe des Gruppenleiters (Moderator) steht innerhalb der Prefromingphase die Unterstützung des einzelnen. Jeder Teilnehmende bekommt die Aufmerksamkeit, die er braucht, die passenden Fragestellungen und die eigenen Hilfeleistungen, um sich mit dem Ziel der Moderation individuell auseinanderzusetzen. Die Rolle, die der Moderator hier einnimmt, gleicht einer Trainer-Rolle. Unterstützung und Hilfestellungen auf dem Weg der eigenen Orientierung.“

2. Wie definierst Du eine erfolgreich verlaufene Moderation Plus Maßnahme?

Sebastian Grab: „Erfolg zeigt sich hier in der Umsetzung: kann jeder der Teilnehmende seine Ziele für sich definieren, die sich im Kontext der allgemeinen Zielsetzung der Moderation befinden und kann sich dieser innerhalb der Moderation einbringen und sein Ziel vertreten, dann ist die Maßnahme erfolgreich.“

3.Was sind die häufigsten Ursachen für eine hohe Wirksamkeit von Moderation Plus Maßnahmen? Welche Rolle spielt insbesondere der Gruppenleiter dabei?

Sebastian Grab: „Die Individualität der Teilnehmenden und die Achtung dieser ist eine der Faktoren, die für eine hohe Wirksamkeit stehen. Der Moderator bzw. der Gruppenleiter achtet weiterhin insbesondere auf die Dynamik der Gruppe. Diese entwickelt sich, sollte jedoch nicht im Fokus stehen. Hier ist auch seine Rolle anzusetzen: Trainer des Einzelnen – Beobachter der Gruppe.“

4. Inwiefern sollte der Gruppenleiter auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Gruppenmitglieder eingehen?

Sebastian Grab: „Im Spielfeld zwischen a, b und c hält sich der Einzelne Teilnehmende auf. Dies entspricht dem Wechsel zwischen Nähe und Distanz auf der Suche nach neuen Impulsen oder Wegen, dem Ziel zu begegnen. Der Gruppenleiter unterstützt ihn hierbei, diesen Bereich zu halten oder diesen zu finden, wenn der Teilnehmende diesem Bereich von seiner Persönlichkeit her eher fern ist.“

 

5. Inwiefern hat sich das Moderation Plus Modell bzw. das erlebnispädagogische Outdoor-Training auf dem betrieblichen Weiterbildungsmarkt in den vergangenen sechs Jahren verändert?

Sebastian Grab: „Das Outdoor Training hat sich dahingehend verändert, dass es an Attraktivität verloren hat. Zu viele Hochseilgärten bestehen – die Teilnehmenden kennen Outdoor-Aktivitäten aus ihrem persönlichen Alltag, der Transfer vom Hochseilgarten (oder sonstigen Outdoor-Elementen) ist sehr herausfordernd. Outdoor Training wurde zu viel genutzt, so dass es jetzt auf dem Markt eher rückläufig ist. Andere Elemente kommen jetzt wieder in den Blick, die eine Preformingphase unterstützen. Die einfache Teilnehmer-Befragung vor einer Veranstaltung kommt wieder zum Vorschein – diese ist jedoch nicht vergleichbar.“

6. Welche Implikationen ergeben sich daraus für die Aufgaben und Rolle des Gruppenleiters?

Sebastian Grab: „Die Suche nach neuen und für die Teilnehmenden spannenden Elementen, um sich selbst zu orientieren! Antworten auf die Fragen: wie kann ich einen Teilnehmenden vor einer Veranstaltung unterstützen, sich in dieser selbst zu vertreten, wenn er davor nicht in der Lage ist dies zu tun? Wie kann er sich selbst im Zielpool der Gruppe definieren? Wie können alte Rollenmuster der Gruppe aufgebrochen werden, ohne die Dynamik der Gruppe zu sehr zu verändern?

Diese und weitere Fragen können dem Moderator helfen, die Gruppe schon vor Beginn der Veranstaltung zu unterstützen, in dem der Weg vom „Ich“ zum „Wir“ gut begleitet wird.“

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